Im Gespräch mit Kapitän Robert Schopf

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Seit 30 Tagen steht der Eishockeysport im österreichischen Amateurbereich still. Über 4 Wochen müssen wir schon ohne unseren heiß-geliebten Sport auskommen. Hatten wir zu Beginn des Lockdowns noch Hoffnung, im Dezember zumindest den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen, schwindet diese Hoffnung täglich etwas mehr. Die Fallzahlen entwickeln sich nicht rasch genug in eine Richtung, die berechtigte Hoffnung auf einen zeitnahen Wiedereinstieg in den Eisbetrieb geben. Wie die Mannschaft mit der aktuellen Situation umgeht und wie sie sich fit halten, erzählt unser Kapitän Robert Schopf in einem ausführlichen Interview:

Momentan herrscht auf der ganzen Welt Ausnahmezustand. Es scheint so, als gäbe es aktuell keinen Bereich im Leben, der nicht in fester Hand von Covid-19 ist. Deshalb die erste und wichtigste Frage: wie geht’s dir und deiner Familie gesundheitlich? Seid ihr alle wohl auf?

Danke der Nachfrage. Uns geht es gut. Wir sind bisher gut durch die Zeit gekommen und von dem Virus verschont geblieben.

30 Tage sind seit dem letzten Spiel auswärts gegen den die WSG Wattens vergangen. Für uns eine halbe Ewigkeit, wie geht es dir mit der Situation?

Ja unglaublich, es fühlt sich wirklich wie eine Ewigkeit an, fast schon, als wäre das Spiel in der letzten Saison gewesen. Wir haben schon zu Beginn damit gerechnet, dass wir höchstwahrscheinlich keinen normalen, durchgängigen Spielbetrieb haben werden. Dass dieser Fall bereits so schnell eingetreten ist, ist natürlich sehr schade.

Die ersten beiden Saisonspiele haben schon gezeigt, dass es erwartungsgemäss eng zur Sache geht. Auf den 4:3 Erfolg im Auftaktspiel gegen den SC Hohenems folgte in der zweiten Runde eine knappe 1:2 Auswärtsniederlage in der Verlängerung gegen die WSG Wattens. Wie beurteilst du den Start in die neue Saison?

Die intensive Vorbereitung machte sich bemerkbar. Nach zwei sehr guten Vorbereitungsspielen gegen die Eisbären aus Zell am See konnten wir an die Leistungen anknüpfen und einen ordentlichen Saisonstart hinlegen. Das erste Spiel gegen Hohenems haben wir verdient gewonnen. Beim zweiten Spiel gegen Wattens mussten wir uns mit einer stark geschwächten Mannschaft mit nur elf Spielern knapp geschlagen gegeben. Mit ein bisschen Glück und einer besseren Chancenverwertung hätten wir auch dieses Spiel für uns entscheiden können. Es freut mich, dass wir so schnell zusammengefunden haben, nachdem ja letzte Saison einige wichtige Spieler die Schlittschuhe an den Nagel gehängt haben. Die neuen Spieler haben sich super integriert und konnten bereits ihr Können zu Beginn unter Beweis stellen. 

Wie und wann der Spiel- und Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. Was ist deine persönliche Einschätzung, wie es weitergehen kann?

Hm das ist wirklich schwer zu sagen. Zu Beginn der Unterbrechung hoffte ich noch, dass wir im Dezember wieder in irgendeiner Weise auf dem Eis stehen könnten. Leider sinken jedoch die Zahlen nach den Einschränkungen noch nicht, wie von allen gewünscht. Ich hoffe jedoch stark, dass wir in dieser Saison noch einige Spiele bestreiten können und nicht gleich die ganze Saison ins Wasser fällt. Leider gibt es schon die ersten Meldungen von abgebrochenen Saisonen, wie zum Beispiel die Bayernliga.

Momentan ist ja nicht nur der Spielbetrieb eingestellt, auch ein Trainingsbetrieb ist aktuell nicht möglich. Wie hältst du dich zurzeit fit um im Falle der Fortsetzung des Spielbetriebes gerüstet zu sein?

Ich halte ich mich im Moment sehr individuell fit. Neben regelmäßigen Läufen haben meine Frau und ich im November das gute Wetter genützt und waren häufig in den Bergen unterwegs. Da bei uns ja derzeit auch die Fitnessstudios geschlossen sind, wird diese Form von Training einfach nach Hause verlagert. Natürlich ist das Ganze aber nicht mit einem Eistraining vergleichbar.

Während eines normalen Jahres wäre jetzt gerade Hochsaison und die Mannschaft würde fast täglich zusammentreffen. Aktuell ist das ja leider nicht möglich. Wie steht ihr untereinander in Verbindung? Habt ihr regelmässig Kontakt und tauscht euch über die Situation aus?

Ja das stimmt, normalerweise sieht man sich fast täglich. Wir bleiben derzeit leider nur über unsere Whatsapp-Gruppe in Verbindung und hoffen natürlich alle sehr darauf, dass sich die Situation schnell derart bessert und wieder ein Eisbetrieb stattfinden kann.

Wer oder was aus der Kabine geht dir aktuell am meisten ab? 😉

Ehrlich gesagt alles und jeder Einzelne. Wir sind so eine super Truppe. Man kommt wirklich jedes Mal gerne in die Kabine, auch wenn der Tag noch so stressig gewesen sein mag. Besonders vermisse ich z. B. unsere Powerplay-Gespräche mit unserer Nummer 58 😉

Wir wollen hier aber nicht nur über das Thema Covid-19 sprechen, es gibt sonst auch noch interessante Themen, die angesprochen werden sollten. Viele Leute in der Tiroler Eishockeyszene haben die neugegründete Superleague mit sehr viel Skepsis gesehen. Vier teilnehmende Mannschaften versprechen nicht gerade viel Abwechslung. Wie siehst du das Ganze? Besser eine kleine, kompakte und ausgeglichene Liga, oder besser eine etwas größere Liga, mit mehr Abwechslung aber dafür auch ein grösseres Leistungsgefälle?

Das Beste wäre natürlich beides zu vereinen zu einer ausgeglichenen Liga mit mehr Mannschaften. Ich finde jedoch, dass mit der Superleague eine sehr interessante Liga geschaffen wurde. Vier Mannschaften – das hört sich anfangs wirklich nicht allzu abwechslungsreich an. Jedoch treffen hier vier gleichstarke Teams aufeinander. Jeder kann gegen jeden gewinnen. Ausgeglichene, enge Spiele sind für alle Beteiligten interessanter als zweistellige Spielstände. Wir können uns mit Sicherheit auf eine spannende Saison freuen. Ich bin wirklich froh, dass unsere Verantwortlichen sich so ins Zeug gelegt haben und auch noch in der Kürze der Zeit diese Liga in Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen ins Leben gerufen werden konnte.

Ich bin wirklich froh, dass unsere Verantwortlichen sich so ins Zeug gelegt haben und auch noch in der Kürze der Zeit diese Liga in Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen ins Leben gerufen werden konnte.

In der Vorbereitung ging es zweimal gegen die Eisbären aus Zell am See. Wir haben zwei sehr hochklassige und spannende Spiele gesehen. Wäre der EK Zell am See nicht zukünftig ein potentieller Kandidat für die Tiroler Superleague?

Auf jeden Fall! Die Eisbären würden meiner Meinung nach super in unsere Liga passen. Ziel muss es sein, dass die Liga in Zukunft mit solchen Mannschaften erweitert wird. Hier sind auch unsere Vorstände ständig dran, damit auch in Zukunft ein interessanter Spielbetrieb aufrecht erhalten werden kann. 

Du hast viele Jahre in Deutschland Eishockey gespielt. Unter anderem bist du im Kader der deutschen Nationalmannschaft bei der U18 WM im Jahr 2007 gestanden. Zudem kommen unzählige Spiele für die Starbulls Rosenheim in der DEL 2 und sogar ein Einsatz für den EHC München in der DEL steht zu buche. Was ist der grosse Unterschied zum österreichischen Eishockey? Warum gibt es in Deutschland ein solides und nachhaltiges Ligakonstrukt mit Auf- und Abstieg und in Österreich nicht? Was muss sich in Österreich ändern, dass auch das sogenannte Unterhaus langfristig überleben kann?

Deutschland hat im Vergleich zu Österreich den großen Vorteil, dass es viel mehr Eislaufplätze bzw. Hallen und somit auch viel mehr Vereine bzw. Eishockeyspieler gibt. Mit der „Masse“ lässt sich natürlich viel leichter ein nachhaltiges Konstrukt mit einem geregelten Auf- und Abstieg erzielen.

Entscheidend für ein nachhaltiges, erfolgreiches Eishockey ist definitiv eine solide Nachwuchsarbeit. Dies macht sich vor allem bei den kleineren Vereinen bemerkbar. Wird hier über ein paar Jahre nachlässig gearbeitet, zieht sich das durch bis hin in den Seniorenbereich. Es freut mich das hier in Kufstein weiterhin dieser Weg intensiv verfolgt wird bzw. noch weiter ausgebaut wird. Ein großes Problem sehe ich im Profibereich weiterhin in den Ausländerregelungen, sei es in Österreich oder in Deutschland. Hier bleiben noch immer viel zu viele junge Spieler auf der Strecke. Leider verstehe ich noch immer nicht, weshalb hier nicht in irgendeiner Weise der Schweizer Weg verfolgt wird.

Robert, vielen Dank für deine Zeit. Abschliessend hast du noch die Möglichkeit ein paar Grussworte an die Fans der Dragons zu richten:

Liebe Dragons-Familie, ich freue mich schon total darauf, Euch alle bald wieder in unserer Arena zu sehen. Bis dahin, bleibts gesund 😉

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